Augmented Reality könnte Lernen völlig verändern

Spätestens seit dem Hype um „Pokémon Go“ ist den meisten Smartphone-Nutzern die sogenannte Augmented Reality ein Begriff. Man spricht hier von einer von der Kamera erzeugten Realität, bei der das Umfeld des Nutzers im Kameradisplay auf einmal um virtuelle Inhalte ergänzt wird.

Zum Greifen nahe – Wie Virtual Reality das Lernen revolutionieren könnte

Bei der AR-Umsetzung des Kultgames Pokémon können die Spieler so zum Beispiel mit der Kamera ihres Smartphones ihre Umgebung abscannen und mit ein wenig Jagdglück so zum Beispiel eines der kleinen Monster scheinbar auf dem eigenen Küchentisch sitzen sehen.

Noch einen Schritt weiter geht die Datenbrille Oculus Rift. Das Brillengestell umschliesst die Augenpartie des Nutzers vollkommen und vermittelt ihm über die Bildschirme in der Brille eine völlig neue, virtuelle Realität, kurz VR genannt. So kann der Anwender sich inmitten des Ozeans bewegen, Fische beobachten oder einem herannahenden Wal ausweichen – denn die Brille reagiert auch auf die Kopfbewegungen des Nutzers.

Die Entwicklung von Augmented und Virtual Reality steht noch ganz am Anfang und bereits jetzt scheinen die Möglichkeiten unbegrenzt. Medienexperten und führende Unternehmen schätzen, dass diese neuen Technologien in etwa zehn Jahren einen vergleichbaren Marktanteil und die gleiche Bedeutung für uns haben werden wie heutzutage Smartphones und Computer.
Bereits jetzt haben viele Branchen die Faszination der virtuellen Realität für sich entdeckt. Doch nicht nur für das Shopping-Erlebnis oder medizinische Behandlungen ist die augmentierte Weltdarstellung von Nutzen. Experten sehen darin auch grosses Potenzial für neue Wege in der Bildung.

Die digitale Bildungsrevolution

Ralph Müller-Eiselt, Co-Autor des Vuches „Die digitale Bildungsrevolution“, spricht sich offen für die Vorteile aus, welche die virtuelle Realität für das Lernen habe. Der spielerische Aspekt von VR und AR steigere zum Beispiel die Lernmotivation erheblich. Darüber hinaus mache die Interaktion mit der virtuellen Umgebung den Lernstoff deutlich greifbarer und somit auch leichter zu merken. So können Schüler mithilfe einer Datenbrille oder auch einfach ihres Smartphones den Himalaya oder den Louvre direkt besuchen anstatt nur in Büchern darüber zu lesen.

Nicht zuletzt, so Müller-Eiselt, sei das Lernen mit VR ein deutlich personalisieteres und damit effektiveres Lernen, da sich das Programm an den Lernenden anpassen könne.
Die Neuartigkeit und die bisher kaum erforschten Auswirkungen von VR auf den Menschen machen es jedoch unwahrscheinlich, dass diese schon bald zum Lernalltag in der Schule gehört. Zu gross ist aktuell noch die Sorge um eine mögliche Suchtgefahr oder den schleichenden Realitätsverlust.

Augmented Reality

Deutlich grösseres Potenzial sehen Experten hier in der Ar, der Augmented Reality. Von 3D-Animationen direkt aus dem Schulbuch bis hin zu interaktiven Weginformationen beim nächsten Wandertag oder ein in das Klassenzimmer projiziertes Kunstwerk sei hier alles möglich. Auch der Biologieunterricht könne so deutlich anschaulicher werden, wenn zum Beispiel der Lehrer während der Anatomieeinheit ein spezielles T-Shirt trägt, welches die Schüler mit einer App betrachten und so direkt die Funktionsweise von Herz und Lungen beobachten können.
Einige solcher Technologien werden bereits getestet und von den Lernenden mit überwältigender Mehrheit positiv aufgenommen.

Bis AR oder gar VR allerdings zum Alltag in unseren Schulen gehören, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Aktuell ist das benötigte Equipment wie entsprechende Brillen oder Anwendungen bereits für Einzelpersonen sehr kostspielig, geschweige denn für eine ganze Klasse oder eine gesamte Schule. Doch in einigen Jahren, hier sind sich alle Experten einig, wird weder in der Bildung noch in unserem alltäglichen Leben noch ein Weg an Augmented und Virtual Reality vorbeiführen, so markant sind die Vorteile dieser fortschrittlichen Technik für unser Lernen und Leben.