Geheime Schattenprofile: Wie Facebook weiss, wen wir kennen

Die Freundschaftsvorschläge auf Facebook sind ein weit bekanntes Phänomen. Mal schlägt es einem jemanden vor, den man tatsächlich kennt, manchmal auch die beste Freundin der Cousine eines entfernten Bekannten oder jemanden, der einfach nur in der gleichen Stadt lebt.

Schattenprofile – Was andere Nutzer Facebook über uns verraten

Immer öfter liest man aber auch von den unglaublichsten Kontaktvorschlägen von Nutzern, die einander nie begegnet wären. So zum Beispiel die Patienten einer psychiatrischen Praxis oder die leiblichen Verwandten eines jungen adoptierten Mädchens. Es erscheint beinahe hellseherisch und schon fast ein wenig gruselig, was Facebook alles über seine Nutzer weiss, offenbar manchmal mehr als diese selbst. Aber wie kommt es zu diesen geheimnisvollen Zufällen?

Daten, Daten, Daten

Dass Facebook das Datensammeln als primären Teil seines Geschäftsmodells ansieht, dürfte kaum jemanden überraschen. Allerdings handelt es sich dabei nicht allein um die Daten der eigentlichen Facebook-Nutzer. In regelmässigen Abständen schlägt das Netzwerk seinen Usern vor, in den Adressbüchern von Emailkonten und Smartphones nach weiteren Facebook-Freunden suchen und sich so noch leichter verknüpfen zu können. So kommt Facebook auch an die Daten von jedem, mit dem seine Nutzer vielleicht einmal interagiert haben – Email-Adressen, Wohnorte, Namen und vieles mehr.

Mit diesen Daten gefüttert, fängt der streng geheime Algorithmus von Facebook an zu rechnen und Verknüpfungen zwischen einzelnen Personen herzustellen. So haben sich beispielsweise die Patienten des Psychiaters in seiner Praxis etwa im selben öffentlichen W-LAN angemeldet oder eine Mitarbeiterin der Adoptionsvermittlung hat sowohl die Kontaktdaten der leiblichen Familie wie die der Adoptiveltern in ihrem Adressbuch hinterlegt. So und nicht anders kommen viele der mysteriösen Zufälle und ungewöhnlichen Kontaktvorschläge zustande.

Niemand ist eine Insel

Alles in allem klingt es doch aber ganz praktisch, mögliche Bekannte vorgeschlagen zu bekommen und unpassende Vorschläge werden von den meisten Nutzern ohnehin ignoriert. Also alles kein Problem, oder?

Leider doch, denn schliesslich gibt es genügend Personen, die sich aus verschiedensten Gründen von Facebook fernzuhalten versuchen. Seien es bestimmte persönliche, sexuelle oder religiöse Präferenzen, die man eigentlich nicht mit jedem teilen möchte oder einfach Sorge um die eigene Privatsphäre – viele Menschen sind aus solchen Gründen sehr vorsichtig damit, was sie auf Facebook teilen oder sind gar nicht erst bei dem sozialen Netzwerk registriert.

Doch der Algorithmus hinter den sogenannten Schattenprofilen funktioniert auch bei Personen, die gar kein eigenes Facebook-Konto haben. Taucht so jemand beispielsweise in mehreren Adressbüchern auf, als Vater, Bruder, Chef und Vorsitzender des Kegelclubs, so weiss Facebook schon eine Menge über diese Person. Keine angenehme Vorstellung für jemanden, der sich gerade aus Vorsicht vor den Datensammlungen sozialer Netzwerke von diesen distanziert hat.

Schutz vor den Schattenprofilen gibt es nicht

Vorbeugen lässt sich dieser Datensammlung leider auch nicht. Facebook hält den Algorithmus hinter seinen Schattenprofilen streng geheim und verweist darauf, dass es niemanden darüber informieren dürfe, wenn es solche externen Daten zu einer Person sammele. Laut Facebook-Richtlinien sind die hochgeladenen Kontaktinformationen nämlich stets im Besitz der Person, der das Adressbuch gehört und nicht im Besitz der Kontaktpersonen.

Aber auch, wenn man seinem eigenen Schattenprofil offenbar kaum entgehen kann, so kann man doch einige Vorsichtsmassnahmen treffen. So kann man etwa in den Sicherheitseinstellungen von Facebook verbieten, dass man über die Emailadresse oder Telefonnummer gefunden werden kann und man kann selbst verhindern, dass Facebook die eigenen Kontakte zum Suchen von Facebook-Freunden nutzt. Damit erschwert man die Verknüpfung mit irreführenden oder gar unangenehmen Kontakten und sorgt so für ein Stückchen mehr Privatsphäre für sich und das eigene Umfeld.